Adenauerschüler treffen Holocaust-Überlebende

„Lernt Nein zu Sagen“

„Es ist meine Pflicht als Überlebende, für die zu sprechen, die nicht mehr sprechen können“, sagt Trude Simonsohn. Auch mit 97 Jahren berichtet sie unermüdlich, von ihrem Schicksal, ihren KZ-Aufenthalten und der Ermordung ihrer Eltern in Dachau und Auschwitz.

Bei dem Gespräch in der Frankfurter Henry und Emma Budge Stiftung Anfang Mai herrschte bei den 20 Schülerinnen und Schülern angespannte Ruhe. Alle waren dankbar für die Möglichkeit mit dieser beeindruckenden Persönlichkeit sprechen zu dürfen. Die Zeitzeugen des Holocaust werden schließlich immer weniger. Daher wird es auch immer schwerer die Erinnerung an die Vergangenheit vor über 70 Jahren für die nachfolgenden Generationen lebendig zu halten.

Für die anwesenden Schüler war es eine eindrückliche und prägende Begegnung. Seit Mitte der 70 er Jahre engagiert sich Trude Simonsohn und geht in Schulen, um mit Schülern über ihre Erlebnisse zu sprechen. Sie wuchs in der Tschechoslowakei auf und hatte dort eine glückliche Kindheit in einem liberalen Elternhaus. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht im Zuge der Annexion der Tschechoslowakei wurde ihr als Jüdin eine Berufsausübung verweigert. 1942 wurde sie während der Verhaftungswelle, die dem Attentat auf Heydrich folgte, als politische Gefangene vor ein Standgericht gestellt. Kurz darauf wurde sie als Jüdin nach Theresienstadt deportiert. Dort lernte sie sogar ihren zukünftigen Mann kennen. Als Frau Simonsohn von ihrem Mann sprach hatte sie ein Lächeln auf dem Gesicht und sagte, dass es also auch schöne Momente im Lager gab.

Am 09. Oktober 1944 wurde sie dann jedoch mit ihrer Mutter nach Auschwitz gebracht, sie sahen sich hier das letzte Mal. An Auschwitz hat sie kaum noch Erinnerungen. Sie kann sich noch an Dr. Josef Mengele erinnern, der sie an der Rampe zum Arbeiten schickte. „Wenn einem Körper große Schmerzen zugefügt werden, reagiert er mit Ohnmacht. Auch eine Seele kann bewusstlos werden“, sagte Trude zu den vergessenen Erlebnissen in Auschwitz.

Am Ende des Gespräches gab sie den Schülern noch einen wichtigen Satz mit auf ihren Lebensweg:

„Lernt Nein sagen!“

Und zwar in den vielen kleinen Momenten, in denen ein Unrecht passiert. Steht auf, mischt euch ein und diskutiert. Das braucht eine Demokratie, die funktionieren soll.